Lautenmusik und Zen

Die Laute hatte ihre Hochblüte im Barock, um dann schnell auszusterben. Erst in unserer Zeit wurde das Lautenspiel auf originalen Instrumenten wieder neu erobert.
Aber Laute und Zen? Ist das nicht ein wenig weit her geholt?

Früher einmal habe ich viel Konzerte mit originalen Instrumenten aus dem Barock oder der Renaissance veranstaltet. Eines der schönsten Konzerte war ein Lautenkonzert mit Toyohiko Satoh, einem Japaner, der damals noch Professor für Laute in Amsterdam war. Er spielte die Partita in D-Moll für Laute, ein unglaublich schwieriges Stück. Einige Zeit vorher hatte ein anderer Lautinist dieses Stück auf einem Konzert gespielt und wir haben gestaunt über die technische Brillianz und die Bravour, mit der er das Stück meisterte. Aber als Toyohiko spielte, war es einfach nur wunderschöne Musik, die ganz tief die Herzen ergriff. Er saß da und spielte völlig selbstverständlich. Man meinte, das Stück ist so einfach, das kann ich auch! Aber vor dem Konzert war er nicht ansprechbar und niemand durfte mehr den Raum betreten. Zunächst badete er seine Hände in ganz heißem Wasser, um die Finger vollkommen weich zu machen. Dann saß er tief in sich versunken und war vollkommen still. Das war seine Vorbereitung auf das Konzert.

War das Zen? Ich weiß nicht, denn ich hatte ihn zu einer Teezeremonie eingeladen, aber Toyohiko meinte, er hätte keine Ahnung von der Teezeremonie. Inzwischen ist er in seine Heimat Japan zurück gekehrt, und wie ich gehört habe, macht er jetzt auch Tee. Sollte da meine Einladung nicht ganz unschuldig daran sein?

Satoh hat in Japan die Lute & Early Guitar Society Japan gegründet, der man für einen Jahresbeitrag von 15 Euro beitreten kann. Dann bekommt man vergünstigt CD mit Lautenmusik von Toyohiko und von anderen Lautinisten, die Mitglieder in der Gesellschaft sind.

Toyohiko Satoh

Dort sind eine ganze Reihe von Einspielungen von Toyohiko Satao, die er auf einer Laute von Laurentius Greiff (1610/1673), die ganz in Darm besaitet ist spielt.
Aber nicht nur diese CD ist absolut hörenswert, auch alle anderen Einspielungen, die Stücke von Lauffensteiner, Weichenberger, Bach oder Gaultier sind absolut hörenswert. Die CD kann man nur über die Lautengesellschaft beziehen, die eine eigene Homepage hat: Lautengesellschaft Japan. Die Bestellung ist unkompliziert, weil sie über Holland abgewickelt wird.

Aber zurück zum Thema Zen und Laute. David van Ooijen, ein holländischer Lautinist, der Mitglied in der japanischen Lautengesellschaft ist, hat mehrere Artikel über Zen und Laute geschrieben:
Zen in the art of Lute Playing oder „Cultivating the Flower – Zeami on Lute Playing“. Zeami, der große Reformator und eigentlich Gründer des japanischen Noh Tehaters, der über die Kultivierung der Blüte im Nohtheater geschrieben hat soll über die Laute geschrieben haben?
Bitte einfach selber mal nachlesen. Das ergibt eine völlig neue Sicht auf die alte europäische Musik.

Tushita – Eine Reise in den Himmel

Tushita pakistan

Der Tushita - Himmel mit Maytreya Buddha - Steinrelief aus Pakistan

In der Schrift des chinesischen Denkers Lie Tsi gibt es die Geschichte vom König Mu von Zhou, der einen merkwürdigen Mann aus dem äußersten Westen (sollte er aus Indien gekommen sein oder gar aus dem westlichen Paradies?) an seinem Hofe zu Gast hatte. Der König baute dem Mann einen wunderbaren Palast, der bis in die Himmelsmitte ragte und von dem niemand mehr sehen konnte, worauf der Palast gegründet war. Eines Tages nahm der Mann aus dem Westen den König mit in seinen Palast. Der König weilte hoch oben über seinem Land, und alles war vom Himmelpalast aus gesehen ganz winzig klein. Der König blieb über dreißig Jahre in dem Palast und genoss das Leben dort. Aber dann bat er den Magier, ihn wieder zurück zu bringen in sein Reich.
„Da berückte ihn der Magier, und sogleich war es dem König, als ob er ins Leere fiele. Als er wieder zu sich kam, saß er an demselben Platz wie zuvor, die Diener, die ihm aufwarteten, waren dieselben, und als er vor sich blickte, war der Becher noch nicht leer und die Speise noch nicht kalt. Der König fragte, was geschehen sei; da sagten die Leute in seiner Umgebung: ,Majestät saßen eine Weile schweigend da.‘ “
Der König war in einer Meditation bis in den himmlischen Palast gereist, wo die Zeit stehen bleibt.
Später übernahmen die Buddhisten die Vorstellung von diesem Himmlischen Bereich, in den man durch Meditation gelangen kann und sie nannten ihn den Tushita – Himmel. Alle Buddhas sind, bevor sie endgültig in die Verwirklichung eingehen, im Tushita – Himmel, so war auch Shakyamuni dort. Derzeit „herrscht“ dort Maitreya – Buddha, der Buddha der Zukunft.

Gestern bin ich zurück gekommen aus dem Tushita – Himmel, und der Schnee lag noch wie vorher vor der Tür und es war immer noch kalt.

Aber aus dem Tushita habe ich immerhin ein paar schöne Tees mitgenommen. Denn das Tushita ist ja ein Teehaus in München und dort „herrscht“ nicht Maitreya, sondern Sandeh. Dort habe ich ein kleines Seminar als Einführung in die Meditation und den Teeweg gehalten und Om hat wunderbar dazu auf der Kyotaku – Shakuhachi gespielt. Die Kyotaku ist die Glocke – Taku- , die das Herz leer macht -kyo. Sie ist ein Eingangstor zur Stille.
Der Tushita – Himmel ist bevölkert von wunderschönen himmlischen Jungfrauen, das Tushita – Teehaus von lieben und netten Menschen.
Es war ein wunderschöner Sonntag. Ich gebe zu, dass ich schon ein wenig müde war, aber ich freue mich schon auf den nächsten Aufenthalt im Tushita.
Und auf all die netten Menschen dort. Und den Tee und die Kyotaku Shakuhachi.