Werdet wie die Kinder!

Letzten Samstag waren wir zu Gast in einem internationalen Kindergarten in Erlangen.

Dort haben wir Teezeremonie vorgeführt. Es war totenstille Aufmerksamkeit im Raum.
Unser Hauptgast war die Tochter eines Japaners und einer Deutschen. Sie trug einen Kimono und war schon richtig „professionell“.
Als wir dann ein wenig die Teezubereitung geübt haben, waren wir umringt von anderen Kindern: „Ich will es auch mal probieren!“

Könnten wir doch wie die Kinder werden mit der ganzen Freude des Anfängergeistes! Und diesen Anfängergeist bewahren auf unserem WEG!


Experten unter sich!


Beim Tee mitgemacht haben Kinder aus:

Deutschland, Japan, Ghana, China, Vietnam, Brasilien, Türkei und und und …

Frieden durch Teilen einer Schale Tee!

In lieblicher Bläue blühet

In lieblicher Bläue blühet mit metallenem Dache der Kirchturm.
Den umschwebet Geschrei der Schwalben, den umgibt die rührendste Bläue.
Die Sonne gehet hoch darüber und färbet das Blech, im Winde aber oben krähet die Fahne.

Mit diesem „romantischen“ Bild beginnt ein Gedicht Hölderlins mit einer merkwürdigen Überlieferungsgeschichte. Die Handschrift Hölderlins ist verloren. Das Gedicht ist abgedruckt in dem Roman „Phaeton“ von F.W. Waiblinger.
Der junge Waiblinger hatte den alternden Dichter oft in seinem Tübinger Turm besucht. Er berichtete, dass der Dichter ihn gern in eine Laube in einem Weinberg begleitete, wo er still saß und über die Weinberge und den Neckar hin schaute. Dabei wiederholte er immer wieder die Worte:

Schön Herr, schön!

In seinem Brief an den Freund Böhlendorff hatte Hölderlin geschrieben:

Die heimatliche Natur ergreift mich auch um so mächtiger, je mehr ich sie studiere.Das Gewitter, nicht bloß in seiner höchsten Erscheinung, sondern in eben dieser Ansicht, als Macht und als Gestalt, in den übrigen Formen des Himmels, das Licht in seinem Wirken, nationell und als Prinzip und Schicksalsweise bildend, daß uns etwas heilig ist, sein Drang im Kommen und Gehen, das Charakteristische der Wälder und das Zusammentreffen in einer Gegend von verschiedenen Charakteren der Natur, daß alle heiligen Orte der Erde zusammen sind um einen Ort, und das philosophische Licht um mein Fenster ist jetzt meine Freude; daß ich behalten möge, wie ich gekommen bin, bis hieher !

Das Licht in seinem Wirken, nationell und als Schicksalsweise bildend, daß uns etwas heilig ist …

Das Licht des Himmels formt das „nationelle“ der Menschen. Der Dichter war, als er diesen Brief schrieb, gerade aus Südfrankreich zurückgekehrt. Dort hatte er die südliche Sonne in ihrer Kraft erlebt:Das gewaltige Element, das Feuer
des Himmels und die Stille der Menschen, ihr Leben in der Natur, und ihre
Eingeschränktheit und Zufriedenheit, hat mich beständig ergriffen

Das Licht „bildet“ Schicksalsweise. Die Südländer sind in ihrem Temperament feuriger als die „kühlen“ Nordländer. Schon Hippokrates hatte beobachtet, dass die Temperamente der Menschen vom Klima abhängig sind, in dem sie leben. Der japanische Philosoph Watsuji Tetsuro (1889-1960) hat ein Buch über den Zusammenhang von Kultur und Klima geschrieben mit dem Titel „Fu-Do“ – Wind und Erde. Watsuji Tetsuro wollte in Deutschland Philosophie studieren und er reiste mit dem Schiff von Japan nach Deutschland. Dabei besuchte er viele Länder mit unterschiedlichen Kulturen wie Indien mit seinem tropische feuchten Klima und der wuchernden Götterwelt oder Ägypten mit der trockenen Wüste, dem Entstehungsort des Monotheismus. Watsuji wurde später in seinem Heimatland zu einem Wichtigen Interpreten Nietzsches und Kierkegaard und er trug wesentlich dazu bei, die westliche Philosophie in Japan bekannt zu machen.Das Licht „bildet“, das uns etwas heilig ist!? Sind unsere Erfahrungen des Heiligen abhängig von dem Klima, in das wir hineingeboren wurden und in dem wir leben? Wäre dann das monotheistische Christentum, das in den trockenen und heißen Wüsten entstanden ist in unserem feuchten und kühlen Klima ein Fremdkörper? Tatsächlich sind unsere Gegenden von Rom aus koloniasiert und missioniert worden. Unsere eigene, in unserem Klima gewachsene Religion ist nur noch in Sagen und Märchen enthalten. Dort ist die Rede von Feen und Elfen, von ehemals heiligen und schaurigen Orten, an denen uns heute fremde Götter verehrt wurden.
Müssen wir heute unser eigenes suchen?

Die Religion kam von Osten zu uns: Ex Oriente Lux!
Heute wenden sich immer mehr Menschen in die Richtung nach Osten, um einen neuen Sinn in ihrem Leben zu finden. Man beschäftigt sich mit Indien, mit Tibet, China oder Japan. Ja, manchmal hat man den Eindruck, als käme uns heute die Aufgabe zu, die Traditionen Japans in den alten WEGEN zu bewahren, weil diese Traditionen in Japan am sterben sind.
Entfernen wir uns dabei nicht immer weiter von unserem Eigenen? Aber die Erde ist bekanntlich rund. Wenn wir nur beharrlich unseren Weg nach Osten weitergehen, kommen wir – vielleicht – am Ende wieder nach Hause.
Inzwischen könnten wir sogar, wenn wir das wollten, Bücher Japanischer Philosophen lesen, die uns unsere eigene Philosophie erklären! Und wir könnten beginnen, den Japanern zu zeigen, was der Teeweg ist?

Die Heimatliche Natur ergreift mich umso mehr, je mehr ich sie studiere!
Schön Herr, schön!

Langsam langsam, kleine Schnecke

Katastumuri
sorosoro nobore
fuji no yama
Kleines Schnecklein du

besteige ihn ganz langsam,

den Fuji-Berg!

Gestern beim Waldspaziergang ist uns eine kleine Schnecke über den Weg gelaufen.
Sofort mußte ich an das berühmte Haiku von Issa Kobayashi (1763 – 1827) denken.
Ich hatte einmal eine japanische Seidenweste geschenkt bekommen, in der im Innenfutter das Gedicht Issas geschrieben war:
Katatsumuri – sorosoro nobore – fuji no Yama.
Auf diese Weise ist mir dieses Haiku förmlich „ans Herz gewachsen“.

Issa – Ein Tee – wurde auf dem Land in einer armen Bauernfamilie geboren, ging aber nach Edo, der Hauptstadt, wo er ein Haiku – Dichter werden wollte. Wegen seiner Armut und seiner bäuerlichen Herkunft hatte er einen sehr schweren Lebensweg, aber er ließ niemals sein Ziel, ein bekannter und anerkannter Haiku – Dichter zu werden aus dem Auge. Trotz aller Widrigkeiten ging er unbeirrt seinen Weg, bis er dann in seiner Heimat Kashiwabara eine Haiku – Schule gründete, die zahlreiche Haiku Gesellschaften ins Leben rief.
Die kleine Schnecke – Katatsumuri – geht langsam aber beständig – sorosoro – hinauf auf den Berg. Auch wenn der Weg am Anfang unüberwindlich scheint und das Ziel in unendlicher Ferne liegt – vielleicht sogar nur eine Illusion ist. Der Fuji San ist der heilige Berg Japans. Viele Menschen versuchen, auf seinen Gipfel zu wallfahrten, aber es ist eine ungeheure Mühe und Anstrengung, nach oben zu kommen um der Gottheit, die auf dem Gipfel wohnt nahe zu sein.

Aber vielleicht meinte Issa ja gar nicht den heiligen Berg Japans.
Im Ortsteil Asakusa in Edo (Tokio) liegt ein niedriger Erdhügel mit einem Shinto Schrein auf dem Gipfel. Dieser Hügel wird Scherzhaft der Fuji San genannt.

Für die kleine Schnecke ist es ziemlich gleichgültig, ob sie den echten oder den lediglich so genannten Fuji San besteigen will. Beide Ziele scheinen nahezu unerreichbar. Das Wesentliche ihres Weges ist, dass sie unentwegt und unverzagt unterwegs ist.
Martin Heidegger hat einmal an einen Studenten geschrieben: „Bleiben sie stets beirrt, aber immer unentwegt!“

Nehmen wir uns ein Beispiel an der kleinen Schnecke: gehen wir, wenn auch langsam aber immer unentwegt hinauf! Irgendwann werden wir auch auf dem Gipfel des Fuji angekommen sein.

Sorosoro – langsam, langsam.

Eisai zum Tee

Kissa Yōjōki – Das Buch vom Teetrinken

Tee ist ein Wundermittel ( senyaku) zur Erhaltung des Lebens und eine Kunstfertigkeit (myōjutsu) zu seiner Verlängerung.
Berge und Täler, in denen der Tee gedeiht, sind heilig, und Menschen, die den Tee ernten, leben bis ins hohe Alter.
Tee wird in Indien und China hochgeschätzt und war einst auch in Japan beliebt. Wie ist es möglich, den seit alters im In- und Ausland geschätzten Tee nicht mehr zu verwenden, und wie viel mehr noch, wenn man bedenkt, dass es sich um ein vorzügliches Gesundheitsmittel (ryōyaku) unserer Zeit handelt?

Anfangs waren die Menschen in den ,vier Großen‘ (shidai) (Erde für die Knochen und Muskeln, Wasser für das Blut, Feuer für die Körperwärme und Wind für die Energie) ebenso kräftig wie die Götter. Die heutigen Menschen aber sind gebrechlich wie altes Holz, peinigen sich mit Akupunktur (hari) und Moxa (kyū), und Heilbäder (tōji) bleiben wirkungslos, so dass man darüber erschrickt, wie Menschen, die sich solchen Heilpraktiken hingeben, immer schwächer werden.
Man bedenke, dass das Edelste der Schöpfung des Himmels der Mensch ist. Höchste Klugheit bedeutet deshalb, sein Leben in Gesundheit zu verbringen und es zu schätzen.
Die Grundlage eines gesunden Lebens aber ist die Ernährung. Sie dient der Ausgewogenheit der fünf Organe (Leber, Herz, Milz, Lunge und Nieren). Unter diesen fünf Organen ist das Herz das wichtigste. Zur Gesunderhaltung des Herzens ist der Teegenuss das beste Mittel. Kümmert man sich aber nicht um das Herz, dann werden alle fünf Organe schwach, und sorgt man sich nicht um seine fünf Organe, so ist das eigene Leben in Gefahr.

Seit dem großen indischen Heilkundigen JIVAKA (jap.: KIBA) sind bereits zweitausend Jahre vergangen, und wen sollte man heute nach seiner Methode fragen? Und seit dem Begründer chinesischer Heilkunde, SHEN-NUNG (jap.: SHINNŌ) vergingen schon über dreitausend Jahre. Wie sollte man da seine Pharmazie kennen! Und da niemand die Krankheiten behandeln kann, müssen die Kranken leiden und sterben. Weiterlesen